Alles neu – und keiner will´s
Diese zwei Strategien fürs Team solltest du kennen
In meinen Aufträgen geht es meist um das Begleiten von Teams in einen neuen Arbeitsalltag. Viele Teams befinden sich in der Übergangsphase zwischen Alt und Neu, sie müssen Dinge verabschieden, die nicht mehr sind und Neues annehmen.
Das Gefühl, was man als Führungskraft oft hat: Irgendwie verpuffen die Bemühungen, Sitzungen, Ausarbeitungen. Niemand ist so wirklich zufrieden oder angekommen. Die Frage ist:
Wie kann man das Team besser in der Phase des Umbruchs begleiten?
Diese Zweiteilung solltest du bedienen
Was dabei hilft, ist einmal weg vom rein Rationalen zu gehen.
Raum für Verbindung und Gespräche zu schaffen.
Aber nicht zwischen Tür und Angel, sondern mit System. Denn um im Neuen anzukommen, braucht Strategien zur Verlustbewältigung und Strategien zur Konkretisierung der Zukunft.
1. Strategien zur Verlustbewältigung
Der Organisationsberater William Bridges sagte einst sinngemäß:
Menschen wehren sich nicht gegen die Veränderung, sie wehren sich gegen den Verlust.
Um mit Enden und Verlusten gut umzugehen, sollten Teams vor allem eins: Vergangenes wertschätzen und gebührend verabschieden.
Wie das geht?
Beispiele bei Projektenden:
- Jede:r bringt ein Andenken mit, Fotos, Videos, Gegenstände, die er/sie mit dem Projekt verbindet.
Beispiele bei strukturellen Veränderungen:
- Erstellt gemeinsam in der neuen Teamorganisation euren “Stammbaum”: Wie seid ihr hier hingekommen? Aus welchen Teams und Projekten seid ihr entstanden?
-Sammelt gemeinsam: wollt ihr in der Vergangenheit lassen, was nehmt ihr mit in eure gemeinsame Zukunft? (Umgangsarten, Arbeitsweisen)
2. Strategien zur Konkretisierung der Zukunft
Meistens betrauert man das, was nicht mehr ist oder die Vorstellung von dem, was hätte sein sollen. Wie soll stattdessen das Neue aussehen?
Macht im Team das Zielbild erlebbar!
In allen Facetten, die möglich sind: Versucht gemeinsam zu abstrahieren und zu gestalten. Welche neuen Rollen, Expertisen, Ideen, Abläufe brauchen wir? Wie soll unser neuer Arbeitsalltag aussehen, damit wir gut und erfolgreich zusammenarbeiten?
Aller Anfang Ende ist schwer
Keine Veränderung ist einfach. Dauerchange sorgt für das Gefühl ständiger Unruhe. Achte darauf, gemeinsam Luft zu holen, nach vorn, aber auch zurück zu schauen.
Dein Impuls für den Teamalltag
Ein Meeting weniger, ein Ritual mehr: Teste mal eine offene Runde mit deinem Team zur Frage:
Was vermisst du von früher?
Es geht darum, alle Antworten zu zulassen, mögliche Verluste aus der Vergangenheit sichtbar zu machen, aber nicht direkt in einen Aktionsmodus zu verfallen, sondern den Raum zu halten.
Denn wir alle können und dürfen etwas vermissen.



Der Text trifft einen sehr wichtigen Punkt: Veränderung scheitert oft nicht am Konzept, sondern daran, dass wir den emotionalen Teil ignorieren.
Aber ich würde zwei wichtige Dinge ergänzen:
1. Die Verlustbewältigung funktioniert nur, wenn das Neue tatsächlich besser ist oder zumindest ehrlich kommuniziert wird, warum es sein muss. Wenn Teams durch drei Umstrukturierungen in zwei Jahren müssen, alle mit den gleichen Workshops und Ritualen, wird das irgendwann zynisch. Dann hilft auch kein Stammbaum mehr.
2. Manchmal ist das Problem nicht, dass Teams das Alte vermissen, sondern dass sie dem Neuen nicht trauen. Weil die letzte Veränderung auch schon "die Lösung" sein sollte oder weil klar ist, dass in einem Jahr wieder alles anders wird. Dann ist der Widerstand nicht gegen den Verlust, sondern gegen die Erschöpfung.
Was ich gut finde: Der Hinweis, dass Vermissen okay ist. Dass man nicht sofort in den Aktionsmodus springen muss. Das wird oft vergessen.
Aber gleichzeitig frage ich mich: Reicht ein Ritual wirklich aus, wenn das eigentliche Problem ist, dass niemand mehr an Stabilität glaubt? Vielleicht bräuchten manche Teams weniger Begleitung durch die Veränderung und mehr Pause von der Veränderung.
Vielen Dank für deinen Text und die Aus- und Wechselwirkung von Vergangenheit/Zukunft in Transformationsphasen. Das hat mir einen echten Aha-Moment geschenkt 💎