Überlastung ≠ zu viele Aufgaben
5 Irrtümer über Überlastung und 1 Impuls, der hilft
1. Irrtum: Überlastung heißt: zu viele Aufgaben.
Wahrheit:
Das greift zu kurz. Dann könnte man Überlastung mit einem Grenzwert messen: Ab 23 Aufgaben wird es kritisch, bei 17 ist alles fein. So einfach ist es nicht.
Belastend ist nicht nur die Menge, sondern die Art der Anforderungen: Konflikte, Unterbrechungen, unklare Erwartungen, aufgeblähte Strukturen, mittelmäßige Projekte, die weiterlaufen, obwohl niemand mehr richtig an sie glaubt.
Den Arbeitsalltag kann man sich wie ein Konto vorstellen: Wenn dort dauerhaft nur Abbuchungen stattfinden und kaum eingezahlt wird, dann ist man irgendwann im Minus. Überlastung entsteht, wenn dauerhaft mehr Energie abfließt, als zurückkommt.
2. Irrtum: Überlastung ist ein persönliches Zeitmanagement-Problem.
Wahrheit:
Überlastung entsteht, wenn hohe Anforderungen auf zu wenig Handlungsspielraum treffen. Mit Selbstmanagement und Produktivitätstraining für den Einzelnen ist es nicht getan. Wenn alle besser priorisieren sollen, aber niemand etwas streichen darf, fehlt eine Entscheidung. Wir können Überlastung erst senken, wenn wir an den richtigen Stellen weniger machen, auch im Team.
3. Irrtum: Wer überlastet ist, muss produktiver werden.
Wahrheit:
Mehr Produktivität hilft nicht, wenn Aufwand und Wirkung entkoppelt sind. Blind mehr zu machen, kann Überlastung sogar verstärken, und wir brennen schneller aus.
Unsere digitale Arbeitsrealität begünstigt die scheinbare Produktivität: Wir sind mobil, immer erreichbar, werden aber auch immer unterbrochen. Sind den ganzen Tag beschäftigt, aber fragen uns am Ende, was wir eigentlich gemacht haben.
4. Irrtum: Wer überlastet ist, sollte weniger arbeiten.
Wahrheit:
Pauschal Stunden zu reduzieren, ist nicht die Lösung. Wenn die gleichen Anforderungen in weniger Zeit passen sollen, erhöht sich der Stress.
Teilzeit entlastet nicht, wenn sie nur bedeutet: weniger Stunden, gleiche Erwartungen, mehr schlechtes Gewissen. Erst wenn wir aktiv aussortieren und kollektiv priorisieren, kann Teilzeit Überlastung reduzieren.
5. Irrtum: Wer überlastet ist, sollte halt etwas abgeben.
Wahrheit:
Entlastung hat zwei Komponenten: das faktische Aussortieren und das emotionale Verarbeiten.
Ein Projekt zu streichen oder eine Aufgabe abzugeben, kann sogar belasten, wenn das Ende nicht begleitet wird. Dann ist die Aufgabe vielleicht weg, aber offene Fragen, Identität oder das Gefühl fehlender Wertschätzung lassen uns daran festhalten. Oft beginnt die eigentliche (Verarbeitungs-)Arbeit nach dem Ende.
#1 Impuls: Lokalisiere deine Überlastungsquelle
Was kostet dich oder dein Team gerade am meisten Energie?
Konflikte, die schwelen?
Ständige Unterbrechungen und kaum Fokuszeit?
Unklare oder widersprüchliche Erwartungen?
Strukturen, die Arbeit umständlich machen oder nicht mehr zum neuen Arbeitsalltag passen?
Mittelmäßig erfolgreiche Projekte?
Alle fünf Irrtümer haben denselben Kern: Überlastung verschwindet nicht dadurch, dass wir uns noch besser organisieren. Sie wird kleiner, wenn wir mutiger aussortieren, bewusster loslassen und radikaler fokussieren.
Wenn du merkst, dass mehr Planung, härteres Arbeiten und noch ein Produktivitätstool nicht mehr reichen, liegt das nicht an dir.
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